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Gemeinsam halten: Was eine Trauerfeier über Beziehung erzählt

Heute Mittag war ich auf der Trauerfeier unserer Nachbarin. Ich stand hinten, weil die Sitzplätze rar waren. Die kleine Trauerhalle des Friedhofs füllte sich langsam. Unsere Winterjacken und Mäntel berührten sich, weil es enger wurde. So viele Menschen waren gekommen, um sich von ihr zu verabschieden.

Nach und nach wurde es wärmer. Man begrüßte sich, umarmte sich oder legte mitfühlend eine Hand auf den Arm. Alle nahmen ihren Platz ein und warteten auf die Ansprache des Pastors.

Ich stand dort, in Gedanken an sie, in Gedanken an meinen Mann. Ich beobachtete die Menschen – mit all ihren Gefühlen, mit der großen Traurigkeit und der tiefen Anteilnahme.

Das erste Lied berührte sichtlich und brachte uns, die versammelten Gäste, auf einer gemeinsamen Ebene zusammen. Der Pastor machte deutlich, dass es an uns liege, was diese Zusammenkunft sein dürfe – eine Trauerfeier oder eine Verabschiedung in ein neues Leben, das in einer anderen Dimension weitergeht.

Er sagte, dass wir sie nun nicht mehr sehen oder hören könnten – aber dass wir sie spüren würden. Wenig später flackerte tatsächlich eine Lampe und ging aus.

Solche Augenblicke sind schwer in Worte zu fassen, weil sie sich nicht erklären lassen. Es war nicht die Lampe, die ein Zeichen sendet. Es war ein Moment – und die Wahrnehmung der Menschen. Ein kollektives Spüren, das sich verdichtete.

Das gesamte Ritual dieser Feier war ein zutiefst menschliches Erleben: Gemeinschaft, Lachen, Weinen, geteilte Nähe, körperliches Spüren – ein Raum voller Beziehung und Resonanz. Und dann dieses kleine, fast unscheinbare Ereignis der Lampe.

Wir waren berührt von den Worten des Pastors und der Tochter. Berührt von der gemeinsamen Anteilnahme und dem gemeinsamen Spüren. Was wir heute erleben durften, war Beziehung in ihrer unverfügbaren Form. Ein Moment, in dem Menschen miteinander verbunden sind, weil sie etwas gemeinsam halten – Schmerz, Erinnerung, Liebe, Tränen, Humor und Sinn.

Und der Pastor sagte etwas, das viele instinktiv fühlen: Dass jemand, der physisch nicht mehr da ist, dennoch in der Beziehung, im Körpergedächtnis, in der Wahrnehmung, im Moment, im Raum spürbar bleibt.

Die flackernde Lampe ist ein Symbol, ein Echo. Vielleicht ein Übergang vom Sichtbaren ins Unsichtbare.

Begegnungen wie diese sind kostbar. Manche nennen es „geerdet werden“. Ich nenne es: Liebe und Menschlichkeit.

Mach´s gut, E. 

Foto: Adobe Firefly