21 Dez. Driving Home for Christmas
Du kennst diesen Song von Chris Rea: „Driving Home for Christmas“.
Im Lied steckt er im Stau, blickt in die Autos neben sich und fragt sich: Wohin fahren diese Menschen? Was ist für sie Zuhause? Und von wo kommen sie gerade?
Genau diese Fragen haben mich in diesem Dezember begleitet. Und daraus ist eine besondere Ausgabe des refraym letters entstanden: diesmal als Audio.
Mein persönlicher Einstieg ins Thema Zuhause
Wenn ich „Driving Home for Christmas“ höre, sitze ich innerlich mit im Auto. Und ich merke, wie schnell „Zuhause“ zu einer großen Projektionsfläche wird: für Erinnerung, Sehnsucht, Verlust und Neuanfang. Genau so ist diese Ausgabe entstanden. Ich habe mich gefragt, wohin Menschen an Weihnachten eigentlich fahren, wenn sie „nach Hause“ fahren. Woher kommen sie gerade? Und was tragen sie mit sich?
Ich selbst denke schon lange über Zuhause nach, weil es mir immer wichtig war, zu wissen, wo ich herkomme. Vielleicht stecke ich auch deshalb gerade mitten in der Ahnenforschung: ich nehme Spuren auf, die viel älter sind als ich, die mich gleichzeitig nach vorne tragen.
Zuhause ist für mich auch meine Burg. Ein Ort, an dem ich die Tür schließe und die Welt einfach draußen lasse. Und Zuhause ist Familie: Ich habe eine großartige Familie. Als Kind lebten wir mit meiner Oma im Haus, die anderen Großeltern waren nur fünf Minuten entfernt. Heute lebe ich mit meinen Eltern in einem Haus, und mein Bruder mit seiner Familie ist ebenfalls ganz nah. Als ich vor kurzem in Hamburg gelebt habe, habe ich gemerkt, wie sehr mir diese Nähe fehlt – nicht als „Idylle“, sondern als Zugehörigkeit im Alltag.
Und dann ist da Carsten. Er war meine Seelenverbindung. Mein Zuhause. Und mit seinem Tod ist auch dieses Zuhause gestorben: unser Alltag, unsere Selbstverständlichkeiten, unsere gemeinsame Zukunft. Vielleicht höre ich deshalb so genau hin, wenn andere erzählen, was Zuhause für sie ist.
Fünf Stimmen – fünf Perspektiven
Im Audio kommen fünf Menschen zu Wort. Jede Perspektive öffnet eine andere Facette von Zuhause und bei allen spielt auch Verlust oder Neubeginn eine Rolle:
Angelika Bungert-Stüttgen (Freiraumfrau): Zuhause in mir. Und ein „rollendes Schneckenhaus“ auf Rädern.
Birgit Stock (Trauerrednerin): Zuhause als Zugehörigkeit und als Sprache.
Bärbel Amels (GenerationenBeraterin): Elternhaus, Mutter, Rituale und was bleibt, wenn ein Ort verschwindet.
Alexej Lachmann (systemischer Trauerbegleiter): Sehnsuchtsort loslassen und Heimat bei Menschen finden.
Birte Müller-Dietrich (Bestatterin): Abschied im Zuhause und was Räume in solchen Momenten bedeuten.
Nicht jedes Zuhause ist ein sicherer Hafen
Mir ist dabei wichtig: „Zuhause“ ist nicht für alle ein warmer Ort. Kriege, Krisen, Armut, Flucht oder familiäre Brüche – all das macht dieses Wort für viele ambivalent oder sogar schmerzhaft.
Ich kann und will in einer einzigen Ausgabe nicht alle Perspektiven auf „Zuhause“ abbilden. Ich nähere mich dem Thema aus meinem Feld: Übergänge, Zwischenräume, Verlust und Neuanfang. Und über eine Frage, die für viele zugänglicher ist als „Zuhause“:
Woran spürst du Zugehörigkeit?
Diese Ausgabe ist für dich
Diese Ausgabe ist besonders wertvoll für dich, wenn du gerade ganz konkret mit dem Thema Zuhause zu tun hast: weil deine Eltern älter werden, weil ihr euch mit dem Elternhaus beschäftigen müsst, weil sich Weihnachtsrituale verändern oder wenn du das Gefühl hast, dass du dieses Jahr etwas anderes brauchst als sonst.
Zum Weiterlesen und Weiterhören
Hier findest du außerdem eine kleine Liste mit Büchern und Podcasts, die das Thema Zuhause, Zugehörigkeit, Verlust und Neuanfang aus unterschiedlichen Blickwinkeln vertiefen.
Buch-Tipp:
„Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“ (Margareta Magnusson) ist ein warmherziger, praktischer Einstieg in Döstädning – die schwedische Idee, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen und bewusst zu entscheiden, was bleiben und weitergegeben werden soll. Zum Thema „Zuhause“ passt es so gut, weil es zeigt: Aufräumen ist hier nicht nur Ordnung, sondern ein Akt von Abschied und Fürsorge, gerade wenn Eltern älter werden, ein Elternhaus irgendwann ansteht oder sich Zugehörigkeit neu sortieren muss.
Daniel Schreiber, „Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen“ ist ein kurzer, sehr klarer Essay darüber, warum „Zuhause“ heute für viele keine feste Größe mehr ist, sondern etwas, das sich verändert und manchmal erst durch Verlust, Umbrüche oder Weggehen überhaupt spürbar wird. Schreiber verbindet eigene Biografie mit einem größeren Blick auf Zugehörigkeit, Heimat und Ankommen und gibt genau die Sprache, die man oft sucht, wenn „Zuhause“ gerade nicht einfach ist.
Podcast-Tipp:
Gefühlserben von Sven Rohde, Coach und Workshopleiter aus Hamburg. Zwei Folgen, die ich dir ans Herz legen möchte:
Entrümpeln & Loslassen: Eine Folge darüber, warum Aufräumen oft nicht an Disziplin scheitert, sondern an Erinnerung, Familiengefühl und inneren Widerständen – und wie es trotzdem gelingen kann. Mit Dorothea Rohde („Good Rooms“) geht es um die emotionale „Magie der Dinge“, Gefühlserbschaften, Swedish Death Cleaning als Ritual und sehr konkrete Einstiegstipps, wie leere Räume auch innerlich entlasten können.
Kindheitsräume & Identität: Sehr persönlich und zugleich praktisch: Wie prägen uns die Räume unserer Kindheit – und was passiert, wenn wir ins Elternhaus zurückkehren oder es auflösen müssen? Mit Dorothea Rohde geht es um emotional aufgeladene Erbstücke, Konflikte rund ums Einrichten, die Erlaubnis zu schönen, stärkenden Räumen – und darum, wie man eine Wohnung „wiederbelebt“, damit sie wirklich zu einem passt.
Danke, dass du den refraym letter liest und hörst.
Und wenn du jemanden kennst, für das dies gerade ein Thema ist, dann schicke diesen Link gerne weiter: https://refraym.de/zuhause/
Ich wünsche dir ein Weihnachtsfest nach deinem Geschmack.
Britta
„Zuhause beginnt dort, wo ich nicht erklären muss, warum ich so fühle.“