02 Sep. Vom Porsche zum Expeditionsfahrzeug: Was nach einem beruflichen Crash bleibt
Vor ein paar Tagen habe ich mich für mein Buchprojekt zu Closing Culture selbst interviewen lassen. Meine Freundin hat mir dieselben Fragen gestellt, die ich in den kommenden Wochen auch anderen Menschen stelle: Was ist beruflich zu Ende gegangen? Was hast du verloren? Wie wurde dieser Abschied gestaltet? Und was wirkt bis heute nach?
Dabei kam ein Bild wieder hoch, das ich vor ein paar Jahren in einer Trauerbegleitung als Metapher gebraucht hatte.
Ein Porsche auf der Autobahn.
Ich saß am Steuer, hatte Speed drauf, beherrschte dieses sportliche Fahrzeug und hatte eine Vorstellung davon, wohin die Reise gehen sollte.
Beruflich hatte ich damals vieles von dem, was ich mir gewünscht hatte. Ich war Unternehmerin, Geschäftsführerin, Designerin, arbeitete an einem Coworking Space und beschäftigte mich mit New Work. Ich hatte Ideen, Verantwortung und Gestaltungsspielraum.
Dafür habe ich gebrannt. Und dann kam die Mauer. Und nicht nur eine. Mit voller Wucht wurde der Porsche zerfetzt.
Innerhalb eines Jahres gingen berufliche Projekte zu Ende, Rollen verschwanden, Zukunftspläne lösten sich auf. Gleichzeitig wurde mein gesamtes privates Leben durch den Tod meines Mannes auf den Kopf gestellt.
Ich begann an meiner Kreativität zu zweifeln und merkte, dass vom Brennen nur noch die Glut übrig geblieben war.
Erst in der Trauerbegleitung begann ich, meine beruflichen Verluste zu realisieren. Ich war noch dabei, die Trümmer wegzuräumen. Ich war noch gar nicht frei, und so konnte noch nichts Neues entstehen. Lange habe ich gar nicht verstanden, warum mir der berufliche Neubeginn so schwerfiel.
Aber ich hatte nicht einfach einen Job verloren. Ich hatte meinen Traumjob verloren. Dazu eine Vorstellung meiner Zukunft. Eine berufliche Identität. Einen Ort, an dem ich mich wirksam gefühlt hatte. Und eine Version von mir selbst, die mit ziemlich viel Tempo und Ideen durchs Leben gefahren war.
Bei unserem Interview kamen die Emotionen wieder hoch: Ich glaube, ich trauere diesem beruflichen Leben immer noch nach. Das tue ich. Aber inzwischen denke ich: Das darf ich auch.
Ich darf würdigen, was ich damals alles geschafft und aufgebaut habe. Und wenn das Leben mir anders in die Karten gespielt hätte … wer weiß. Aber was mir bis heute fehlt?
Ein echter Abschied.
Es braucht zunächst die Anerkennung dessen, was verloren gegangen ist. Dazu erstelle ich mir eine Closing Box. Sie enthält Artefakte aus der Zeit: Bilder, Zeitungsartikel, Aufkleber, Visitenkarten. Diese Box ist wie ein Archiv: so wichtig, dass sie gut aufgehoben wird, und gleichzeitig gut verschlossen.
Und dann hat sich das Bild für mich verändert. Ich stehe nämlich längst nicht mehr nur zwischen Trümmern.
Aus den Trümmern ist Baumaterial geworden.
Meine Art zu denken als Designerin ist noch da. Meine Erfahrung als Unternehmerin ist noch da. New Work ist nicht verschwunden. Mein Wissen über Verlust und Trauer ist hinzugekommen. Ebenso systemisches Denken, Coaching, Organisationsentwicklung und vieles, was ich in den vergangenen Jahren gelernt habe.
Heute baue ich daraus etwas Neues: refraym. Closing Culture. Die Idee von Verlustkompetenz als Future Skill.
Heute sitze ich nicht mehr in einem Porsche, zumindest sinnbildlich. Ich sehe eher ein selbstgebautes Expeditionsfahrzeug vor mir. Es kann Autobahn. Aber eben auch Schotter. Es kann anhalten. Es muss nicht jeden Weg vorher kennen. Und vor allem: Ich sitze wieder am Steuer.
Das ist für mich gerade die richtige Form von Fortschritt. Denn ich merke, wie stark wir Neubeginn oft mit Geschwindigkeit verwechseln. Nach einer Kündigung, einer Reorganisation, einem gescheiterten Projekt oder dem Ende einer beruflichen Rolle lautet die unausgesprochene Erwartung schnell: Und jetzt? Was kommt als Nächstes? Wie geht es weiter?
Genau an dieser Stelle setzt für mich Closing Culture an.
Wir müssen nicht immer sofort wissen, wohin wir fahren. Vielleicht müssen wir zunächst verstehen, welches Fahrzeug wir gerade verloren haben, was darin für uns steckte und welche Teile wir mitnehmen wollen.
Gute Enden sind keine Bremse für Veränderung. Sie sind ihre Voraussetzung. Wir können etwas würdigen, betrauern und trotzdem weitergehen.
Wir gehen anders weiter.
Ich jedenfalls fahre heute langsamer als früher, aber ich kann inzwischen Wege nehmen, für die mein Porsche überhaupt nicht gebaut war.
(Die Bilder sind KI-generiert und der Text mit KI überarbeitet.)