refraym
KI Müdigkeit

Müdigkeit im Umgang mit künstlicher Intelligenz

KI könnte momentan für „Kein Interesse“ oder „Keine Interaktion“ stehen. Erlebst du bei dir selbst auch erste Erschöpfungserscheinungen bei dem Thema Künstliche Intelligenz?

Gefühlt ist KI überall ein Thema oder gar keins. Social Media spült mir Infos sämtlicher KI-Experten rein: Tipps, was ich besser, schneller und effizienter tun kann. Und in Gesprächen höre ich oft das Gegenteil. Von fehlendem Interesse, Genervtheit, Unsicherheit bis Ablehnung.

Beachten wir mal, dass sich unser Gehirn noch im Steinzeitalter befindet, wundert es nicht, dass wir bei dem hohen Tempo der exponentiellen technologischen Entwicklungen auch einfach mal eine Lernpause brauchen.

KI. KI. KI.

Viele können es nicht mehr hören, und dennoch ist klar: Künstliche Intelligenz geht nicht mehr weg. Ein diffuses Gefühl zwischen dem Wissen, sich der Technologie nicht verwehren zu können, und der Sorge, das Menschliche dabei aufs Spiel zu setzen: Das war der Tenor aus meinen Gesprächen auf der BEFA Messe am vergangenen Wochenende.

Während überall neue Systeme implementiert werden, wächst gleichzeitig die Sehnsucht nach digitaler Balance. Die Erschöpfung ist sichtbar. Die Postbank Digitalstudie 2026 zeigt, dass KI zwar der wichtigste Treiber für eine noch intensivere Internetnutzung bei Menschen unter 40 Jahren ist. Doch es zeigt sich ein Paradoxon: Dieselbe Generation, die KI am häufigsten nutzt, reagiert im Alltag zunehmend mit Angst, Frustration und Misstrauen auf diese Entwicklung. Diese wachsende Skepsis ist keine unbegründete Befindlichkeit, sondern beruht auf realen, strukturellen Verschiebungen im Bildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt.

Das wachsende Bedürfnis nach digitaler Balance ist kein kurzfristiger Trend. Es ist eine gesunde Gegenregulation unseres Gesamtsystems gegen eine Kultur, die kein Ende mehr zulässt.

Deshalb gibt es refraym.

Wer neue Werkzeuge einführt, muss auch klären, was im Gegenzug gehen darf. Welche Prozesse, oder Rollenbilder verabschieden wir? Was geben wir für die Technologie auf? Was geben wir her?

refraym fragt in Veränderungsprozessen nicht zuerst: Was ist technisch möglich? Sondern: Welche Beziehungen und welche Freiräume werden durch Technologie stabilisiert oder zerstört? Die Zukunft unserer Arbeit liegt nicht in der lückenlosen Digitalisierung aller Lebensbereiche. Sie liegt in der bewussten Kultivierung von analogen Zwischenräumen, die Erholung, Resonanz und echtes Denken ermöglichen. Wenn Technologie die menschliche Arbeit berührt, rührt das immer an existenzielle Fragen von Bedeutung, Zugehörigkeit und Relevanz.

Wir tragen die Verantwortung.

Deshalb sollten wir die Bereiche gestalten, in denen wir wirken. Das ist der Grund, warum ich mich vor anderthalb Jahren auf den Weg gemacht habe, zu lernen, wie KI die Trauerkultur verändert. Wir tragen die Verantwortung – für unsere Mitmenschen und auch für uns selbst. Wo sind die Grenzen von KI, aber auch: wo sind meine Grenzen? Was gebe ich auf, wenn Chatty & Co langfristig Denkaufgaben übernehmen? Wie finde ich einen Ausgleich?

Für mich bedeutet das: Wissen, Haltung und Verantwortung weiter geben. Lernen, experimentieren. Und zum Ausgleich analoges Basteln und wieder mehr mit der Hand schreiben.

Endlos ist keine Strategie. Weder für die Festplatte noch für das Nervensystem.

Zum Thema „Closing Culture: gutes Abschließen“ spreche ich am 25. Juni ab 18 Uhr im Studio_one Coworking in Wuppertal. Ich freue mich auf den gemeinsamen Austausch. Anmeldung hier.

Brain Bites

Titelfoto: Jake Fosmire by pexels.com